Forstmaschinen-Profi

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50 Millionen Festmeter Seekiefer liegen in Aquitanien am Boden

– Von Dieter Biernath –

Am 24. Januar tobte ein verheerender Sturm über Südfrankreich und Spanien. Besonders betroffen wurde die französische Region Aquitaine (Aquitanien) mit ihren fünf Départements.  Schlimm sieht es im Département Landes mit der Präfektur Mont-de-Marsan aus. Hier befindet sich das Zentrum des Seekiefer/Strandkiefer-Anbaugebietes. Die Seekiefer oder Strandkiefer (lateinisch: pinus pinaster) wird von den Franzosen „pin maritime“ bzw. „pin des Landes“ genannt und prägt in dieser Region das Landschaftsbild. Hier befindet sich übrigens das größte zusammenhängende Waldgebiet Westeuropas. Es ist zu fast hundert Prozent mit der Seekiefer bestockt. Seekieferplantage reiht sich an Seekieferplantage. Plantage ist übrigens das treffende Wort für die Art der hiesigen Waldbewirtschaftung. Nach dem Kahlschlag erfolgt eine Stubbenrodung, dann der Vollumbruch der Fläche und die spätere maschinelle Pflanzung in Reih’ und Glied. Nach übereinstimmenden Schätzungen einheimischer Forstspezialisten liegen jetzt 50 Millionen Festmeter Holz am Boden.

Sturmholzaufarbeitung in Südfrankreich

Der Verfasser dieses Artikels war in der 6. Woche vor Ort und konnte sich von den gewaltigen Schäden ein erstes Bild machen. In manchen Gebieten sind oftmals 80 bis 100 Prozent der Flächen geworfen und zum Teil auch gebrochen. Der Anteil der abgebrochenen, geknickten, aufgerissenen und gesplitterten Bäume liegt bei geschätzten 20 bis 40 Prozent. Das ist aber von Fläche zu Fläche unterschiedlich. In diesen Beständen ist auch sehr schwer abzuschätzen, wie sich die Aufarbeitung gestalten wird. Das Bruchholz drückt die Leistung des Harvesters gewaltig. Und je schwächer das Holz, desto langwieriger und teurer die Aufarbeitung. Da hilft eigentlich nur noch der Hacker – oder das Feuerzeug ... In sehr vielen Beständen sind auch Einzelwürfe und hier und da Nesterwürfe zu finden. Überdurchschnittlich viele Bäume hat der Sturm nur angedrückt; diese Bäume sind noch im Boden verwurzelt, aber zum Teil bis über 45 Grad geneigt. Wenn dieses Holz zum Schadholz mit dazugezählt wird, erhöht sich die Menge des Schadholzes vermutlich um mehrere Millionen Festmeter.

Die Franzosen wollen erst einmal keine fremden Forstunternehmer

Europäische Forstunternehmer sind erst einmal nicht willkommen. Wir sprachen mit dementsprechenden Leuten in der Verwaltung, die alle erstaunlicherweise eine mediterrane Gelassenheit an den Tag legten. Entweder haben die noch gar nicht begriffen, was vor ihrer Haustür los ist, oder aber sie befinden sich in einer Art Schockstarre. Hochdotierte Spitzenkräfte wollten uns weismachen, daß sie die Sturmschäden mit den jetzt 250 zusammengezogenen Maschinen bewältigen können. Wenn das dann nicht reicht, sollen weitere 60 Maschinen aus den umliegenden Regionen herangezogen werden. Auch die Preisvorstellungen dieser Leute sind „unter aller Würde“. Wenn man hört, was die Unternehmer dort für jämmerliche Preise erzielen, möchte man in Tränen ausbrechen. Zu diesen Konditionen kann man eigentlich nicht arbeiten, jedenfalls nicht in Deutschland und Skandinavien. Aber diese Preise erscheinen in einem anderen Licht, wenn man dann hört, daß die Unternehmer ihre Maschinen mit billigem Heizöl fahren (das ist dort legal), sehr viele steuerliche Ermäßigungen haben und die Maschinen mit bis zu unglaublichen 80 Prozent vom Staat bezuschußt werden, das handhabt man jedoch je nach Region bzw. Département sehr unterschiedlich. Arbeitserleichternd kommt noch hinzu, daß meistens nach der Kahlschlagmethode gearbeitet wird. Irgendwelche Gassenabstände sind dort also nicht einzuhalten. Der Franzose fährt da, wo er will. Und nicht da, wo es ihm irgendwelche Artfremden vorschreiben. Mit solchen Vorschriften lassen sich nur deutsche Forstleute gängeln ...  Rechnet man das dann allerdings hinzu bzw. ab, verdient der französische Forstunternehmer im Vergleich mehr als sein deutscher oder skandinavischer Kollege. Da ist es dann kein Wunder, daß ein französischer Unternehmer jetzt über eine Million Euro in eine neuartige Energie-/Industrieholz-Erntekette investieren konnte und diese Summe auch problemlos finanziert bekam. In der nächsten Ausgabe Forstmaschinen-Profi berichten wir über die Ernte auf Kastanien-Stockausschlagflächen mit einer Feller-Buncher-Harvester-Kombination von HSM/Timber-Pro. Das ist zur Zeit völlig einzigartig in der Forstbranche und exklusiv natürlich nur in Forstmaschinen-Profi zu lesen.

Kein Geld für die Aufarbeitung vorhanden

Bei unseren Gesprächen mit den verantwortlichen Forstleuten stellte sich ganz schnell heraus, daß erst einmal kein ausreichendes Geld für die schnelle professionelle Aufarbeitung vorhanden ist. Bei über 90 Prozent der Wälder handelt es sich um Privatwälder. Man hofft hier ganz stark auf den Staat bzw. die EU. Das Hoffen auf öffentliche Gelder soll in den dortigen Gefilden aber eine vielgeübte Gepflogenheit sein, also etwas ganz normales. Wie es scheint, hat man sich unter der fürsorglichen Hand des Staates ganz bequem eingerichtet ...

Europäische Forstunternehmer haben aber eine Chance. Sie müssen dort als Holzkäufer auftreten und das Heft des Handelns ganz fest in die eigene Hand nehmen. Dann kann man vielleicht etwas Geld verdienen. Denn die einheimische französische und spanische Industrie kann diese Mengen niemals bewältigen, auch nicht auf einen Zeitraum von vielleicht fünf Jahren verteilt. Wer hier eine pfiffige Logistikkette aufbaut, hat unter Umständen gute Chancen, das Holz per Schiff  aus den Schadgebieten zu bringen. Die ersten deutschen, spanischen und finnischen Forstunternehmer konnten wir schon in den Schadgebieten treffen und mit ihnen sprechen. Alle Unternehmer raten dazu, erst einmal abzuwarten. Reinhard (Hardy) Michel, Forstunternehmer aus Rheinland-Pfalz und auch dortiger AfL-Vorsitzender, sah sich im Windwurfgebiet ausführlich um und riet ebenfalls zum Abwarten. Unser gemeinsamer Scout in den Schadgebieten war Bernard Rolling von der Firma HSM, der uns vier Tage durch die Gebiete lotste, uns betreute, für uns dolmetschte und wertvolle Kontakte knüpfte. Dafür sagen wir ihm hier schon einmal ein herzliches Dankeschön! Das wird aber fortgesetzt und weiter ausgebaut, lieber Rolling!

Fazit

Harvester und Forwarder werden dort bald gebraucht, vermutlich auch Lkw. Ab April/Mai werden wohl die ersten Hilferufe bei uns eintreffen. Denn der Sommer steht vor der Tür. Und der ist dort unten immer sehr heiß, da brennt es dann oft und gerne ... Da das Holz in der Regel fast nur in Zweimeter-Längen ausgehalten wird, kommt also ausschließlich die Kurzholzmethode zur Anwendung. Seilschlepper werden nicht gebraucht, auch nicht vom Gelände her; das ist topfeben! Erste Anzeichen sprechen auch für einen Einsatz leistungsfähiger Großhacker, denn bei manchen Flächen ist das Holz nicht sehr stark, dafür aber sehr kurz und astig. Und in Frankreich redet man in letzter Zeit sehr viel und oft über Energie aus Biomasse. Wer weiß, vielleicht ergeben sich hier Chancen? Die Voraussetzungen sind jedenfalls ideal. Verantwortliche vor Ort rechnen übrigens mit der Anlage von großen Naßlagern; dabei will man es auch mal mit der Folienmethode probieren. Hier ist man auf der Suche nach Spezialisten. Und die dürfen dann auch gerne aus Deutschland kommen ...

Hier bald mehr über den Windwurf

Alles über den Windwurf in der nächsten Ausgabe Forstmaschinen-Profi. Dann nennen wir auch die Ansprechpartner, die für den Einsatz der Maschinen zuständig sind. Die Adressen, die zur Zeit im Netz herumschwirren, sind größtenteils unbrauchbar. Das sind Adressen von Leuten, die uns unmißverständlich zu verstehen gegeben haben, daß man keine ausländischen Kräfte benötigt. Nun, das wollen wir mal sehen ...

Ein Tip für Besucher

Wenn man dort auch nicht arbeiten möchte, lohnt aber ein Besuch der Flächen immer. Das sollte, das muß (!) jeder Forstprofi gesehen haben. Zirka 120 Kilometer südlich von Bordeaux liegt das Städtchen Mont-de-Marsan mitten in den Schadgebieten. Hier findet sich kaum ein Wald, der nicht zerstört ist. Wer die D 651 von Mont-de-Marsan über Labrit bis nach Sore fährt, und sich anschließend die Schadflächen neben der D 626 von Roquefort wieder über Labrit nach Sabres anschaut, hat eigentlich alles gesehen. Mit einem günstigen Flieger nach Toulouse oder Bordeaux, dann mit dem Leihwagen in die Schadgebiete, kann so eine Tour in zwei Tagen zu schaffen sein.

Der große ausführliche Bericht in der nächsten Ausgabe Forstmaschinen-Profi mit Kontaktadressen und Ansprechpartnern.

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In Kürze präsentieren wir Ihnen hier ein Video aus den Schadgebieten.


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