Der Komatsu Snake ist eine prima Ergänzung für Hangforwarder mit Traktionswinde

Seit einigen Jahren scheinen sie die Lösung für die Holzernte im Steilhang zu sein: Kurzholzmaschinen mit antriebssynchron laufender Traktionsseilwinde. Doch manche Einsätze zeigen die Grenzen dieser Technik auf, beispielsweise Erstdurchforstungen ohne hangseitigen Maschinenweg oder das Fehlen geeigneter Ankerbäume für das Traktionswindenseil. Für solche und ähnliche Fälle findet sich seit einigen Jahren der 911 X3M im Programm des Herstellers Komatsu.

Der im Volksmund nur „Snake“ (dt. Schlange) genannte Harvester erfreut sich steter Beliebtheit, besonders in Österreich. Alleine im laufenden Jahr konnte der dortige Komatsu-Forest-Händler Karner & Berger bislang drei der Raupenketten-Maschinen an den Mann bringen, darunter bereits ein brandneuer 911.5 mit SCR-Abgasbehandlung (Harnstoffeinspritzung). Warum so viele Forstunternehmer von diesem Konzept überzeugt sind, sah sich Forstmaschinen-Profi in Niederösterreich und der Steiermark an.

kub_911_4_kettenSieht man Ranko Milinovich bei seiner Arbeit zu, wird schnell klar: Hier ist ein absoluter Profi am Werk. Wen wundert’s, schließlich hat der Mann runde 20.000 Stunden Erfahrung auf Valmet/Komatsu 911 X3M. Sein aktuelles Arbeitsgerät ist bereits der dritte Snake seines Arbeitgebers, der Firma Andreas Wiesbauer aus Hohenberg. Milinovich arbeitet derzeit in der Nähe der Ortschaft Rohr im Gebirge, wie das Gros seiner Arbeitszeit im absoluten Steilhang. 70, an einigen Stellen auch um die 80 Prozent beträgt hier die Steigung; laut Hannes Karner, Geschäftsleiter beim österreichischen Komatsu-Forest-Importeur Karner & Berger, sind dies auch genau die bevorzugten Einsatzgebiete für den Snake. Sicher könnte der Raupenharvester bei passendem Untergrund auch noch steilere Hänge bezwingen, doch um solche Rekordjagden geht es nicht. Für Ranko Milinovich geht es hier darum, Schneisen für den Bau eines Wildgeheges anzulegen. In Österreich kommt es dabei nicht selten vor, daß das Gatter über den einen oder anderen Berg verläuft. Mit einem Traktionswinden-Radharvester ließe sich hier kein Blumentopf gewinnen: Rückegassen sind nicht vorhanden, Waldstraßen gibt es nur wenige und geeignete Ankerbäume sind Mangelware. Also bleibt Milinovich nichts anderes übrig, als die meisten Hänge bergauf zu bearbeiten. Da er dabei (und auch bei anderen Einsätzen) häufig quer zum Hang arbeiten muß, ist seine Maschine mit speziellen Spikes bestückt. Diese Technik ist von Kettenbaggern aus der Bauwirtschaft bekannt und erhöht die seitliche Stabilität am Hang deutlich. kub_berge

Während es sich bei Ranko Milinovichs Arbeitsgerät noch um einen Komatsu 911.4 handelt, darf Manfred Serschön bereits mit einem 911.5 X3M in die Wälder ziehen. Für den Einzelkämpfer ist dieser Harvester bereits der dritte Snake. Bei unserem Besuch arbeitet er am Erzberg bei Eisenerz in der Steiermark. Diese Erhebung ist berühmt für das „ErzbergRodeo“, eines der größten Enduro-Rennen Europas. Im Bestand liegt die Vornutzung an, rund 1.500 Festmeter wird Serschön auf mehreren Parzellen ernten. Auch hier beträgt die Hangneigung bis zu 70 Prozent, was laut Manfred Serschön überhaupt kein Problem für den Snake darstellt. Motortechnisch erst recht nicht, Angst vor Schäden durch unzureichende Ölversorgung müsse niemand haben, beruhigt Hannes Karner: Hersteller Sisu gibt seine Motoren bis 100 Prozent Steigung frei. Serschöns Maschine ist der erste in Österreich ausgelieferte 911.5. Von seinem Vorgänger unterscheidet sich der Harvester in erster Linie durch einen schadstoffärmeren Motor, der die Abgasnorm Tier 4 erfüllt. Erreicht wird dies durch das sogenannte SCR-System, wobei SCR für selektive katalytische Reduktion steht. Die Funktionsweise: Eine wäßrige Harnstofflösung, AdBlue genannt, wird vor dem speziellen SCR-Katalysator in den Abgasstrang eingespritzt, reagiert dort mit den Stickoxiden im Abgas und reduziert so deren Ausstoß. Daß das Verfahren auch noch den Kraftstoffverbrauch senkt, ist ein willkommener Nebeneffekt; da aber auch die AdBlue-Lösung benötigt wird, sinken die Betriebskosten nur geringfügig.

Bei beiden Einsätzen wird sich ein Forstunternehmer mit seinem Valmet 860 mit Traktionswinde um die Rückung kümmern. Beispielhaft für diese Maschinengattung sehen wir Gerhard Rohrhofer bei der Arbeit mit seinem Valmet 840.4 zu. Neben der Traktionsseilwinde verfügt sein Forwarder über allerlei technische Finessen, um dem Hang trotzen zu können. So bestellte sich Rohrhofer Bogielifts an Vorder- und Hinterachse, einen Krantilt, klappbare Rungenverbreiterungen sowie Kameras zur Kontrolle der Seilführung: Eine Kamera dokumentiert das Auftrommeln auf der Speicherwinde, die andere überwacht den Seileinlauf, damit der Fahrer Schlingenbildung im Seil frühzeitig erkennt.

Mehr als ein Jahrzehnt König der Berge

Wir schreiben das Jahr 2000. In den Bergen Österreichs wird zum ersten Mal ein Valmet-Harvester mit vier Raupenlaufwerken gesichtet. Doch war diese Maschine kein Projekt des Herstellers Valmet, sondern wurde nachträglich umgebaut. Dahinter steckte die Firma Holzer aus der Steiermark, heute bestens bekannt für ihre Steinbrecher- und Wegebaumaschinen. Bereits der Prototyp wußte mit guten Leistungen im Steilhang zu überzeugen; dies blieb auch dem deutschen Valmet-Importeur nicht verborgen, so daß die nächsten Snake in Kooperation von Holzer und Valmet Deutschland entstanden. Seit 2005 hat Komatsu Forest den Snake unter der Bezeichnung X3M offiziell im Programm. Der Snake hat in den ersten Jahren viel dazu beigetragen, Valmet-Maschinen in Österreich bekanntzumachen und die Verkaufszahlen zu steigern, erinnert sich Hannes Karner. Karner war zu Zeiten der ersten Snake bei Valmet Deutschland beschäftigt und zuständig für den Vertrieb in Österreich. Bereits im Jahr 2002 wurde dieser Markt so bedeutend, daß die Alpenrepublik einen eigenen Händler bekommen sollte. Hannes Karner nahm Kontakt zu seinem alten Bekannten Alfred Berger auf, kurz darauf gründeten die beiden die Karner & Berger GmbH.

06_2011_komatsu_grTraktion satt

Die vier Raupenlaufwerke sollen in allererster Linie souveräner Steigfähigkeit und sicherem Stand im Hang dienen, das in jüngster Zeit immer stärker in den Vordergrund tretende Thema Bodenschutz ist ihnen nicht auf den stählernen Leib geschnitten. Was aber keinesfalls heißen soll, der Snake wäre ein ungehobelter Rowdy, der in jedem Waldboden eine Spur der Verwüstung hinterläßt; die stellenweise sichtbaren Bodenverwundungen sind kaum der Rede wert. Das Ergebnis ist umso beeindruckender, wenn man sich die Alternative vor Augen führt: Eine mit Ketten und Bändern ausgerüstete Radmaschine wühlt sich einen 70prozentigen Hang hoch. Sofern sie es überhaupt schafft – wie sähe hier wohl der Boden aus? Mit 200 mal 50 Zentimeter fällt die Kontaktfläche der vier Raupenketten recht üppig aus. Die gestiegene Traktion kann dank einer hohen Zugkraft optimal genutzt werden: Da die Laufwerke ein anderes Übersetzungsverhältnis besitzen als Räder, beträgt die Zugkraft das Dreifache der Radmaschine, nämlich fast 50 Tonnen! Kehrseite der Medaille: Die Höchstgeschwindigkeit reduziert sich aus demselben Grund auf ein Drittel. Knappe 10 km/h sollten aber in der Gasse allemal genügen, einzig längere Fahrten auf Forststraßen erfordern hin und wieder etwas mehr Geduld.

Ein weiterer Vorteil, den die Raupenlaufwerke mitbringen: Die Maschine steht bombensicher. Das liegt am niedrigeren Schwerpunkt, zudem ist der Snake auch etwas schwerer als die Radmaschine. Die Standsicherheit übertrifft auch die meisten anderen Raupenmaschinen, verspricht Hannes Karner: Durch die hintere Pendelachse und das Mittelgelenk können grobe Unebenheiten im Gelände besser ausgeglichen werden, auch an Kanten oder Wegböschungen wird eine größtmögliche Aufstandsfläche und damit Standsicherheit erreicht.

Räder und Raupen

Basis für den X3M war immer die aktuelle Version des Valmet-Harvesters 911, momentan also der 911.5 – möglich wäre diese Ausrüstung aber auch beim kleineren Modell 901, was früher auch schon praktiziert wurde. Obwohl Komatsu Forest den 911 X3M offiziell anbietet, verläßt keine dieser Maschinen das Werk im schwedischen Umeå auf Raupenketten: Komatsu liefert den Harvester grundsätzlich nur mit Rädern aus, die Montage der Kettenlaufwerke übernimmt der entsprechende Händler. Die vier Räder bekommt der Kunde immer dazu – mit der Möglichkeit, diese jederzeit wieder anbringen zu können. Laut Hannes Karner ist dieser Umbau in rund vier Stunden auf der Waldstraße erledigt, sofern geeignetes Werkzeug samt Druckluft-Schlagschrauber verwendet wird. Die Steilhangvariante X3M scheint übrigens der einzige Grund zu sein, warum Komatsu überhaupt einen vierrädrigen 911er baut; für ausgewachsene Mittelklasse-Harvester mit nur vier Rädern gibt es nämlich keinen echten Markt.

Ehrensache, daß neben der Basismaschine auch die Raupenlaufwerke hin und wieder Verbesserungen erfahren. So machten sich die Verantwortlichen im Hause Karner & Berger Gedanken um das Kettenspannsystem, das kürzlich neuentwickelt wurde. Das Ergebnis kann sich sehenlassen: Die neue Technik sorgt dafür, daß die Kette stets auf der entlasteten Seite des Laufwerks gespannt wird, egal ob die Maschine bergauf oder bergab arbeitet. Dadurch benötigt das Spannen weniger Kraft und die Lebensdauer des Systems steigt. Die neue Mechanik verbaut Karner & Berger ab sofort standardmäßig bei allen Snake.

Auch eine Lösung zum einfacheren Transport gehört inzwischen zur Serienausstattung: Durch Einstecken eines Bolzens können die Laufwerke umgedreht werden, wodurch die Maschine rund 15 Zentimeter tieferliegt. So kann der X3M häufig mit Standard-Tiefladern umgesetzt werden, ohne daß die Gesamthöhe die gesetzlich limitierten vier Meter übersteigt.

www.komatsuforest.de
www.forstmaschinen-service.at

Jan Biernath

Dieser Bericht ist in der Ausgabe Forstmaschinen-Profi 06-2011 erschienen.