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In einem sauerländischen Privatforst wird ein Königstiger eingesetzt, um die Naturverjüngung zu schonen.

Das Sauerland – unendliche Weiten, Fichtenweiten. Je tiefer man in dieses Mittelgebirge kommt, desto häufiger türmen sich Fichtenpolter seitlich der Straße und versperren einem Holz-Lkw den Weg – sehr schön. Viel Fichte hat auch die Wittgenstein-Berleburg'sche Rentkammer. Im Revier Röspe erntet die Firma Forstservice + Holzhandel von Norbert Wegener dicke Fichte, mit einem der schwersten Geschütze, die es in der Hackordnung der Harvester gibt: dem nagelneuen Königstiger von Atlas Kern.

Frank Hellekes heißt der Harvester-Dompteur, der den Königstiger bedient. Seit gerade einmal zwei Wochen arbeitet der erfahrene Königstiger-Fahrer mit dem neuesten Arbeitstier der Firma. Im Juli stand die Maschine noch als Ausstellungsstück auf dem Atlas-Stand der Interforst 2010.

Erster 30-Tonnen-Königstiger mit Softlaufwerk

kt_harvet_plus_nv_grDer Harvester gehörte da schon Norbert Wegener, Chef von Hellekes und Inhaber der Firma Forstservice + Holzhandel, und ist der erste 30-Tonnen-Königstiger mit Softlaufwerk. Der Tiger hört auf den Namen Kern 30 TS, wobei T für Tilt steht. Auf dem großen S bewegt sich der Harvester durch den Wald, S wie Softlaufwerk. Bestückt ist das Panzerlaufwerk der 30- Tonnen-Maschine nämlich mit Gummiplatten, die den Waldboden und auch Teerstraßen schonen. Um die im Sauerland wichtige Steigfähigkeit zu gewährleisten, lassen sich unkompliziert Kreuzkrallen auf das Laufwerk montieren: „Ich komme jede Steigung hoch, die ein Rückezug gerade noch herunterfahren kann“, zeigt sich Fahrer Frank Hellekes begeistert von den Kletterkünsten seiner Maschine.

Begeisterung ist überhaupt das Stichwort. Die gesamte Wegener-Truppe ist eine äußerst gutgelaunte Mannschaft. Hier wird viel gelacht und der Spaß an der Arbeit drückt sich deutlich im Ergebnis aus. Lediglich eine Rückegasse führt in den Fichtendschungel und verrät, daß hier forstlich gearbeitet wird – Bestandesschäden Fehlanzeige.

Schadlose Ernte von dicken Fichten

Wie die Haare auf dem Hund steht die Fichten-Naturverjüngung im Bestand und sieht einfach nur toll aus. Das findet auch der zuständige Förster Sebastian Wagner, und damit das so bleibt, holte er die Wegener-Truppe mit ihrem Königstiger-Kraftpaket ins Revier. Es galt, die 120jährigen Fichten zu entnehmen, die über der teils fünf Meter hohen Verjüngung standen. „Deren Zieldurchmesser ist lange erreicht und einige sind auch rotfaul“, gibt der Revierleiter als Grund für die Flächenräumung an. Das Kunststück an der Sache: Die Fichten-Überhälter mußten raus, ohne allzu großen Schaden am Nachwuchs zu hinterlassen. Schwierige Angelegenheit, einer Zwei-Festmeter-Fichte mit einer etwa zwölf Quadratmeter großen Kronenfläche zu erklären, keinen Schaden anzurichten. Als Vermittler tritt hierfür der Kern 30 TS auf den Plan. Mit seiner enormen Hubkraft von etwa drei Tonnen hebt der Harvesterkran dickste Stämme über die Verjüngung hinweg, ohne eine Nadel zu krümmen. „Wir haben genau die Maschine, die wir brauchen. Das kann so keine andere“, berichtet der stolze Besitzer Norbert Wegener. Mit 14,9 Metern greift der Ausleger des Kern weit in den Bestand hinein. Teilweise ist aber die Fichtenverjüngung so dicht, daß man keinen Meter hineinsehen kann. Darum fällen zwei Mitarbeiter die Bäume, die Hellekes mit dem Kran nicht schadfrei erreichen würde. Auch herrschen im Forstbetrieb Wittgenstein-Berleburg Gassenabstände, die manchen Forstmaschinenführer erschaudern lassen könnten. Zwischen 40 und 50 Meter liegen die Gassen teilweise auseinander und geben Zeugnis über den sehr klaren und kompromißlosen waldbaulichen Weg der Verantwortlichen. Deshalb auch der Einsatz einer kompromißlosen Maschine.

Gearbeitet wird folgendermaßen: Die meisten Bäume werden „mit freundlicher Unterstützung“ der 660er von Stihl zugefällt. Bei Bäumen, die der Harvester direkt entnimmt, werden die Wurzelanläufe beigeschnitten, damit das Aggregat möglichst tief am Stammfuß angreifen kann. Der Zufäller muß exakt zielen, da die Baumkrone auf die Gasse oder in andere größere Bestandslücken fallen soll. Fünf oder sechs Fichten werden so nebeneinander in die Gasse gelegt. Dann tritt der Tiger in Aktion: Mit dem Aggregat Log Max 7000 B, das noch von der Vorgängermaschine stammt, packt Hellekes ein oder auch schon mal zwei Stämme und hebt diese sanft über die meterhohe Verjüngung hinweg. Wohlgemerkt, der durchschnittliche Stammgehalt in diesem Bestand liegt bei 1,7 Festmetern. Dann schwenkt der Harvester mit Last in den Freiraum der Gasse und läßt sein 1,8 -Tonnen-Aggregat mit einer Vorschubkraft von 39 Kilonewton die Fichtenapparate durchziehen. Dabei wird im selben Arbeitsgang sortiert. Das Reisig wird quer über die Gasse verteilt, damit eine dicke Matte entsteht. Die Kronenstücke werden zu Industrieholz geschnitten und auf einer Seite abgelegt. Das Stammholz legt Hellekes hinter dem Harvester lang in die Gasse ab. Um mit den langen Stämmen nicht versehentlich in den Bestand zu schrammen, ließ man vier stählerne, 200 Millimeter lange Führungszapfen auf die Bergstütze schweißen. Diese fungieren als Leitschienen und halten den Stamm in seiner Bahn parallel zur Rückegasse. Ist der Stammfuß rotfaul, werden die ersten 3,1 Meter als Kurzholz abgeschnitten und seitlich zum Harvester abgelegt. So vorsortiert kann der Rücker zügig abfahren. Oftmals wird parallel zum Einschlag gerückt, damit sich Hellekes im Harvester nicht mit Festmetern einbaut. Gerückt wird mit dem firmeneigenen HSM 904, der meistens von dem selbständigen Fahrer Jan Krämer gesteuert wird. Mit dieser kräftigen Maschine hat Hellekes schon mal 16 Festmeter auf einmal gerückt. Angeregt zu dieser Tat wurde er übrigens durch einen Artikel in Forstmaschinen-Profi. Das Kurzholz fährt der Unternehmer Christoph Frentrop mit seinem John Deere 1010D Eco 3.

Mit dieser gut aufeinander abgestimmten Mannschaft und leistungsfähigem Material sind dann die Holzmengen auch flugs gerückt und gepoltert. 1.800 Festmeter sind auf diese Art schon verarbeitet worden – in knapp zwei Wochen, und 3.000 sollen es noch werden.

Des Tigers Kern

kt_anschlagdornen_grDer Starkholzharvester von Atlas Kern hat einiges zu bieten. Darum jetzt mal die Gretchenfrage: Was ist denn nun des Tigers Kern? „Das Fahrwerk hat deutlich an Komfort hinzugewonnen“, sagt Frank Hellekes, der schon seit drei Jahren Königstiger fährt. Das Softlaufwerk, nur bei Atlas Kern erhältlich, ist auf vier pendelnd aufgehängten Laufrädern angebracht. Die Laufräder gleichen sich somit Bodenunebenheiten an und das Fahrwerk bleibt waagerecht. Da bei jeder Hebe- und Senkbewegung der Laufräder die Ketten verkürzt werden, muß permanent die Kettenspannung angeglichen werden. Dies erledigt ein hydraulischer Kettenspanner, der das Leitrad horizontal vor- und zurückbewegt. Zwei Stickstoffspeicher sorgen für die Federung des Zylinders, der bei zunehmender Spannung über ein Sicherheitsventil entlastet wird. Wird wieder Spannung benötigt, baut ein Nachspeiseventil erneut den erforderlichen Systemdruck auf. Das Fahrwerk ist deutlich laufruhiger, der Fahrer wird nicht wie ein Martini durchgeschüttelt und kann ungerührt weiterarbeiten. Gekippt werden wie ein guter Cocktail kann der Oberwagen des 30 TS allerdings. Bis 26 Grad können die zwei Tiltzylinder den Oberwagen nach vorne neigen, und sechs Grad zur Seite. Hierbei wirken Belastungen, die am Tiltgelenk auf Dauer ein Spiel entstehen lassen. Um das von Zeit zu Zeit zu korrigieren, sind die Gelenk-Bolzen durch Expanderbolzen ersetzt worden. Mit Schrauben lassen diese sich nachziehen. Mit viel Tilt und einem 260 PS Common-Rail-Diesel der Firma Cummins macht das Klettern auf Kette „richtig Spaß“. Hellekes, der in seiner Freizeit gerne Hill Climbing mit seiner Enduro macht, weiß, wovon er spricht. Den hydrostatischen Antrieb speist eine Pumpe mit einem Fördervolumen von 560 Liter in der Minute. Diese hohe Leistung ist wichtig, um Schneiden und Fahren gleichzeitig erledigen zu können. Die Hydraulik-Adern des Tiger durchfließt dabei Panolin-Öl. Für Hellekes „das beste Öl“, weil es als biologisch abbaubare Komponente bis 100 Grad gefahren werden kann. Um es aber erst gar nicht zu solchen Temperaturen kommen zu lassen, ist ein Zusatzkühler eingebaut, der ab 60 Grad das Öl mit einem Elektrolüfter abkühlt.

Drei Kühler sind somit insgesamt verbaut. Neu ist deren bauliche Anordnung. Waren sie früher hintereinandergeschaltet, so arbeiten sie jetzt nebeneinander. Somit können sie besser gewartet werden. Geplant ist noch der Einbau eines Analysesystems, das die Qualität des Hydrauliköls überwacht.

Die schlußendliche Kraftübertragung auf die 700 Millimeter breiten Ketten übernimmt ein Anriebsrad, genannt Turas, das mit einem Durchmesser von 861 Millimeter bei der Softlaufwerk-Variante größer ausfällt. Damit hat sich auch die Geschwindigkeit des Harvesters im Schnellgang von sechs auf acht Stundenkilometer erhöht. Neu ist auch die Pendel-Aufhängung der Hydraulikschläuche. Die Schläuche schwingen so bei jeder Kranbewegung als Gesamtheit mit, was die Materialbelastung für den Einzelschlauch mindert. Acht extra Xenon-Scheinwerfer waren ein Kundenwunsch. Sie sind frontseitig, an der rechten Seite sowie auf dem Dach angebracht und rücken den Wald und die Baumkronen ins richtige Licht. Um die Transporthöhe von 3,3 Metern zu wahren, kann Hellekes die Dachleuchten mit einem einfachen Handgriff umklappen. Noch einen weiteren Wunsch von Hellekes mußten die Maschinenbauer von Atlas Kern umsetzen: Der Elektroschaltkasten, der sich seitlich im Kranfuß befindet und in dem auch der Feuerlöscher untergebracht ist, wurde durch ein Gitter verstärkt. Das Gitter überspannt die Tür und hat einen etwa drei Zentimeter breiten Anschlag, der am Gehäuse des Elektroschaltkastens anliegt: ein solider Schutz gegen Beschädigungen bei der Stammanipulation.

Der Fahrer ist der größte Fan

All dies spezielle Zusatz-Tuning zeigt die Begeisterung, mit der die Firma Wegener bei der Sache ist. Frank Hellekes ist dabei der größte Fan des kernigen Königstigers: „Ich bin auch nach drei Jahren immer wieder überrascht, was der Königstiger kann. Diese Maschine ist eine Waffe und wenn man sie beherrscht, ist es die beste Maschine.“ Wie gut er sie beherrscht, zeigt das saubere Arbeitsergebnis unter anspruchsvollen Bedingungen. Selbst an steilsten Hängen steht die Verjüngung noch in einem Guß da, sind geringe Fahrspuren zu sehen – nach tagelangem Dauerregen – und ist das Holz sauber gepoltert. Auch poltern geht mit dem 30 TS, wenn es vom Arbeitsablauf her Sinn macht.

Damit die Maschine auch immer das Optimum leisten kann, wird Wartung und Pflege großgeschrieben. Hellekes übernimmt hierbei die volle Verantwortung für die Maschine. Wie schon bei der Vorgängermaschine, einem Kern 30 T, macht er als gelernter Werkzeugmacher vieles selbst. Wartungsarbeiten werden regelmäßig alle 500 Betriebsstunden in der Werkstatt erledigt. Dazu gehört auch das Waschen der Maschine. Wie mit der Vorgängermaschine wird Hellekes auch mit dem TS 30 in eine extra große Waschanlage fahren, um den Tiger ordentlich zu waschen. „Wenn der Dreck runter ist, sieht man erst die Kleinigkeiten, die repariert werden müssen“, weiß Hellekes aus Erfahrung.

Langjährig aufgebautes Vertrauen

Entsprechend dieser Arbeitseinstellung ist die Wegener-Truppe in den Wittgenstein-Berleburg'schen Wäldern ein gerngesehener Arbeitsgast. Die Zusammenarbeit fußt auf langjährig aufgebautem Vertrauen sowie – und jetzt kommt’s – auf der Bereitschaft des Auftraggebers, die hohen Ansprüche an den Forstdienstleister auch zu bezahlen. Mit dem Königstiger sind hohe Tagesleistungen zu schaffen. „Aber darum geht es hier in diesem Betrieb nicht“, betont Norbert Wegener. Ziel sei es, die gute waldbauliche Arbeit der vergangenen Jahrzehnte solide fortzuführen. Bestandesschonendes Arbeiten sei das Entscheidende. Die extra große Umsicht, die jeder walten lassen muß, kostet  Zeit und Gehirnschmalz, weiß auch Frank Hellekes: „Da kann man nicht eben mal eine Ecke abrasieren. Du mußt immer hochkonzentriert arbeiten.“ Das führt dann eben zu Leistungseinbußen bei der Maschinenarbeit, die in der Kalkulation berücksichtigt und auch vergütet werden.

Weil Förster und Forstunternehmer ein sichtbar gutes Team bilden, ist der Kern 30 TS noch auf länger gut mit spannenden Maßnahmen ausgelastet. Das freut nicht zuletzt auch Forstmaschinen-Profi.

www.holzhandel-wegener.de

Julian Delbrügge