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Die Herzog Bergholztage waren ein voller Erfolg

Hausausstellungen, Maschinenvorführungen, Forstmessen – in diesem Jahr scheint der Terminkalender aus allen Nähten zu platzen. Und dann wagt es die Herzog Forsttechnik AG tatsächlich, für ihre „Bergholztage“ satte 110 Schweizer Franken zu kassieren? Doch halt: Der Tagungsführer verspricht viel mehr, als man bei einer normalen Vorführung erwarten könnte. Im Stile einer Exkursion erlebten rund 360 Teilnehmer vom 14. bis 17. Oktober 2009 Bergholztechnik live, die hochprofessionell vorgeführt wurde. An verschiedenen Einsatzorten zeigte Firma Herzog passende Lösungen, vom Hangharvester bis zur Langstreckenseilanlage.

Vier verschiedene Einsatzorte hatte das Team um Firmeninhaber Klaus Herzog am Gurnigel, einem Hügelzug im Kanton Bern, vorbereitet. Frühmorgens fanden sich täglich bis zu 120 Teilnehmer auf dem rund 1.600 Meter hoch gelegenen Parkplatz ein. Nach der Helmausgabe – Sicherheit geht vor – wurden die Teilnehmer in vier Gruppen aufgeteilt und mit Bussen zu den Einsatzorten gebracht. Da der Weg in den Bestand die eine oder andere Kletterpartie erforderte, war auch das frostige Wetter schnell vergessen. Allen Einsatzorten gemein ist nicht nur die Hanglage, sondern auch der extrem problematische Flyschboden. Flysch ist ein Felsmaterial, das zu Bergrutschen und Hangrutschungen neigt. Keine guten Voraussetzungen also für die immer beliebter werdenden Hangmaschinen mit Traktionswinde. So verwundert es nicht, daß an drei der vier Einsatzorte Seilanlagen im Mittelpunkt standen.

herzog_a_highlander_grAm Einsatzort A war das anders, hier wurde mit Hangharvester und -forwarder gearbeitet. Geländeneigungen von 40 bis 55 Prozent in Verbindung mit besagtem Flyschboden sowie seitlich am Hang verlaufende Entwässerungskanäle stellen Radmaschinen vor eine harte Probe. Doch warum setzt man sie denn ein? Das ist zuerst einmal eine Kostenfrage. Wo die Möglichkeit zur hochmechanisierten Holzernte besteht, ist sie in der Regel die preiswertere Methode – und dank verhältnismäßig kurzem Hang bietet sich hier der Einsatz von Maschinen mit Traktionswinde an. Durch den engen Gassenabstand von 20 Metern kann auf manuelles Zufällen verzichtet werden. Die vielen Vorbehalte gegen einen geringen Gassenabstand teilt Klaus Herzog nicht: Seiner Ansicht nach leidet der Boden bei größerem Abstand von beispielsweise 40 Metern mehr, da die Gasse mit dem Forwarder doppelt soviel befahren werden muß.

Daß hier mit einem Ponsse Alpine Buffalo gerückt wurde, war nicht weiter verwunderlich, schließlich rüstet Firma Herzog den finnischen 14-Tonner seit letztem Jahr zum Hangforwarder um. Herzstück ist dabei die mit dem Fahrantrieb synchronisierte Seilwinde. Sie faßt bis zu 280 Meter Seil (bei 15 Millimeter Seildurchmesser) und erreicht eine maximale Zugkraft von elf Tonnen. Aber auch ein starker Krantilt bis 26,5 Grad Neigung sowie der fast ebensoweit neigbare Fahrersitz erleichtern die Arbeit im Steilhang. Wie Klaus Herzog berichtet, übernimmt die Traktionswinde auf diesem Terrain rund 60 Prozent der Antriebskraft. Das schont nicht nur den Waldboden, sondern hilft auch beim Kraftstoffsparen, verspricht Herzog. Grund sei der hohe Wirkungsgrad der Seilwinde von etwa 80 Prozent, während es ein Maschinenantrieb mit Bändern kaum auf 50 Prozent bringe. Hinzu kommt, daß nur talwärts ein Lkw-befahrbarer Weg vorhanden ist, weshalb bergab gerückt werden mußte. Ohne Traktionswinde hieße das: Umlaufbetrieb, und damit erhebliche Zeit- und Kraftstoffverschwendung. Im fünf Hektar großen Bestand war eine Holzmenge von 560 Festmeter aufzuarbeiten und zu rücken – ausschließlich Fichte, die in dieser Gegend die einzige natürliche Baumart ist.

Als ideale Ergänzung des Alpine Buffalo kam ein Bear Harvester zum Einsatz, der als erster Ponsse-Vollernter auch mit Traktionswinde von Herzog ausgerüstet wurde. Das Spitzenmodell der Finnen war für die hier gezeigte Arbeit vielleicht etwas überdimensioniert, aber bei Vorführungen zählt nun einmal auch die unkomplizierte Verfügbarkeit einer Maschine. Im Gegensatz zu den fest eingebauten Forwarderwinden entschied Klaus Herzog sich beim Harvester für eine Anbaulösung. Das hat den Vorteil, daß die Winde demontiert werden kann, wenn sie bei bestimmten Einsätzen nicht benötigt wird und eventuell sogar stören würde. Damit bietet sich Forstunternehmern mit mehreren Harvestern natürlich auch die Möglichkeit, die Traktionswinde je nach Bedarf wechselweise an verschiedenen Vollerntern zu betreiben. Die maximale Zugkraft beträgt zehn Tonnen, bis zu 280 Meter Seil passen auf die Trommel – und zwar ein ganz besonderes. Die Firma Teufelberger fertigt nach den Wünschen von Klaus Herzog ein 15 Millimeter starkes, verdichtetes achtlitziges Spezialseil, das auf der Traktionswinde mit einer besonders langen Lebensdauer überzeugen soll. Dem selben Zweck dient auch die automatische Zwangswicklung des Seils sowie die Verwendung einer herkömmlichen Trommel- statt einer Spillwinde. „Bei einer Spillwinde gibt es viele Biegewechsel, die das Seil auf Dauer schwächen und schnell verschleißen lassen“, erklärt Klaus Herzog. Das mit 47.000 Euro (inklusive Montage) verhältnismäßig preiswerte Traktionswinden-Kraftpaket paßt übrigens nicht nur an Ponsse-Harvester, sondern auch an Vollernter anderer Hersteller. Auf die Frage, wie das denn mit den unterschiedlichen Maschinensteuerungen gelöst werde, antwortet Herzog mit einem vielsagenden Grinsen und geht zum nächsten Thema über. Das fällt dann wohl unter das Betriebsgeheimnis.

Am Einsatzort A konnten die Teilnehmer einen weiteren Harvester begutachten. Der Highlander wird – wie alle anderen Produkte der Firma Konrad Forsttechnik – in der Schweiz unter anderem von Herzog Forsttechnik vertrieben. Die eigenwillig konstruierte Maschine spielt ihre Stärken besonders dann aus, wenn die (optionale) Klemmbank zum Einsatz kommen kann. Bei der Vorführung wollte man zeigen, daß der Highlander auch für reine Harvesterarbeiten sinnvoll eingesetzt werden kann. Deutlich war zu sehen, wie souverän die Vierradmaschine am Hang zurechtkommt. Ihre Talente verdankt sie aber keiner Traktionswinde, sondern der Kombination aus niedrigem Schwerpunkt und Schreitfahrwerk, das auch zur Verlängerung des Radstands um fast zwei Meter genutzt werden kann. Zu den weiteren Besonderheiten des Highlander zählt seine Kabine, die samt Kran endlos drehbar ist, sowie die Allradlenkung mit Hundegangfunktion. Die Kombination aus 300 kN Zugkraft und starkem Kran mit 240 kNm Hubmoment (Reichweite zehn Meter) macht den Highlander in der 20-Tonnen-Klasse konkurrenzlos.

Eine Lösung bei geringer Eingriffstärke: Die Holzlawine

Der Einsatzort B zeigte ein weitverbreitetes Problem: Aus waldbaulichen Gründen sollte die Eingriffstärke geringgehalten werden, was bei üblichem Seillinienabstand für wenig Holz pro Linie sorgt und so die Kosten erhöht. Die Verantwortlichen im Hause Herzog teilten das Objekt in zwei Bereiche, in denen mit unterschiedlichen Verfahren gearbeitet wurde. Das Gelände des Bereichs B1 war sechs Hektar groß und wies auf 300 Meter Länge gerade einmal 500 Festmeter Holzmasse auf. Dies hätte den Bau von vier bis fünf aufwendigen Seillinien mit mehreren Stützen erfordert. Da das Gelände aber teilweise noch befahrbar war, konnte der Nutzungsstreifen auf 120 Meter verbreitert werden, so daß nur zwei Seillinien notwendig waren. Es wurde ein Kobelco-Bagger mit Seilwinde und Harvesterkopf eingesetzt, um das motormanuell gefällte Holz unter die Seillinie zu ziehen und dort aufzuarbeiten. Zu diesem Zweck war der Raupenbagger mit einer Seilwinde sowie einem Woody-60-Aggregat ausgerüstet. Bei der Winde handelt es sich um eine Doppeltrommelausführung mit zweimal 16 Tonnen Zugkraft, die im Fahrwerk untergebracht ist. Eine Trommel fungiert als Traktionshilfswinde, während das Seil der zweiten Trommel durch den Turm geführt wird und zum Beiziehen von Holz dient. Bis zu 180 Meter Seil mit 14 Millimeter Durchmesser stehen dafür zur Verfügung. Dank dieser Methode reichten insgesamt zwei Seillinien, um den Einsatzort B1 abzuhaken. Für die Rückung kam ein Grizzly 1000 Kippmast von Herzog Forsttechnik zum Einsatz, der hangwärts auf dem Lkw-fähigen Waldweg postiert wurde. Aufgebaut war er auf einem dreiachsigen MAN-Lkw. Der Grizzly 1000 ist für maximal 1000 Meter Bergauf- und 850 Meter Bergabseilung ausgelegt und wird komplett funkferngesteuert. Sein Seilmast mißt je nach Trägerfahrzeug 10,5 bis 13,5 Meter, die Mindestzugkraft am Zugseil beträgt bei voller Seiltrommel 4.300 Kilogramm.

Am Objekt B2 herrschten im Großen und Ganzen dieselben Voraussetzungen wie bei B1, nur daß es hier zusätzlich an oberen Verankerungspunkten mangelte. Da die erforderliche Seildistanz bei weniger als 400 Metern lag, war dies ein klarer Fall für den Herzog Grizzly 400 Yarder. Das Seilkransystem auf Baggerbasis kommt in der Regel ohne Abspannbäume aus und kann dementsprechend schnell versetzt werden, die Einrichtung einer neuen Seillinie ist in Windeseile erledigt. So konnte man es sich erlauben, die lediglich 160 Festmeter Fichte mit vier Seillinien im Abstand von 25 Metern aus dem drei Hektar großen Bestand zu schaffen. Die motormanuell gefällten Bäume wurden in der Seillinie liegengelassen und später per Baggerprozessor entastet.

Eine ausführliche Vorstellung des Herzog-Yarder-Systems findet sich im Forstmaschinen-Profi Ausgabe September 2009 ab Seite 12.

Bestand schonen und Kosten senken mit dem Doppellaufwagen

herzog_c_doppellaufwagen_weg_grIm Gegensatz zu den ersten beiden Seilbringungsverfahren setzte Herzog bei Objekt C auf Bergabbringung – ganz einfach deshalb, weil nur unten ein Lkw-fähiger Weg vorhanden war. Aufgrund der Geländeform – es hatte die Form eines „Katzenbuckels“ – war keine ausreichend hohe Montage des Tragseils möglich, um freihängend Ganzbäume oder mindestens halbierte Bäume mit dem Seilkran transportieren zu können. Das bedeutet in der Regel, daß im Bestand motormanuell aufgearbeitet werden muß, was zu deutlich erhöhten Kosten führt. Die Lösung ist der Liftliner Duo, ein doppelter Laufwagen, der den liegenden Transport von Ganzbäumen ermöglicht. Das Gerät besteht aus einem Konrad Liftliner und einem zweiten Laufwagen von Herzog, die miteinander verbunden sind. Die Steuerung erfolgt per Funk, die Hubwinden beider Laufwagenteile können getrennt voneinander angesteuert werden. In diesem Bestand mit bis zu 80 Prozent Hangneigung waren rund 550 Festmeter Fichte in drei Seillinien zu entnehmen, die Linienlänge betrug etwa 300 Meter. Das ist eigentlich etwas zu wenig für eine Langstreckenanlage, der Einsatz eines solchen Systems lohnt sich in der Regel ab etwa 600 Meter. Für die Vorführung war der Einsatzort allerdings wegen kürzerer Fußmärsche für die Besucher gewählt worden. Der Antrieb erfolgt über die Langstreckenwinde Herzog Grizzly SBW 2500-8, welche unten am Wegrand aufgestellt war. Im Gegensatz zu den weitverbreiteten Schlittenwinden kommt sie auf einem breitenverstellbaren Raupenfahrwerk daher und kann somit einfacher positioniert werden. Mit einem 228 PS starken Perkins-Dieselmotor ausgestattet, bringt die Winde selbst bei voller Trommel bis zu sechs Tonnen Zugkraft aufs Seil, auf der untersten Seillage sind es sogar acht. Bei Verwendung von 13 Millimeter starkem Seil passen 2.800 Meter davon auf die Trommel. Auch die Zuggeschwindigkeit von bis zu neun Meter pro Sekunde ist aller Ehren wert – das sind immerhin gut 32 km/h.

Die Maschine besitzt eine Funkfernsteuerung mit Zielautomatik sowie eine komplette Überwachung der Brems- und Zugeinrichtung gegen Überdrehen und Überlast. Auch in dieser Maschine findet sich Herzogs Zwangswicklung. Für die SBW 2500-8 ist ein zusätzliches Mastelement mit 4,50 Meter Länge erhältlich, so daß auch für Lkw genügend Durchfahrtshöhe verbleibt, wenn das Seil über einen Weg verlaufen soll. Alles andere als gewöhnlich präsentierte sich auch die Tragseilbefestigung. Auf dem Gipfel stand vor malerischer Kulisse ein 18 Tonnen schwerer Seilanker als Selbstfahrer mit Raupenlaufwerk, der trotz Bergstütze sicherheitshalber zusätzlich noch nach hinten abgespannt wurde. Auf seiner Trommel stehen rund 1.200 Meter Seil (Durchmesser 31 Millimeter) zur Verfügung.

herzog_c_grizzly_grAm Einsatzort D war der in der Szene gut bekannte Mounty 4100 U von Konrad Forsttechnik zu sehen, hier auf einem vierachsigen MAN-Lkw aufgebaut. Daß dieser Kippmast den Zusatz „Gebirgsharvester“ im Namen führt, hat einen guten Grund: Er ist zusätzlich mit einem 9,10 Meter langen Kran und Woody 60 Harvesteraggregat ausgerüstet. Der Mounty 4100 U ist ein komplett funkgesteuerter Drei-Seil-Mobilseilkran und stellt 800 Meter Tragseil sowie 900 Meter Zugseil bereit. In diesem Bestand wurden drei Seillinien zwischen 250 und 300 Meter Länge eingerichtet. Die Fichten wurden als ganze Bäume kopfhoch bergab an den Weg geseilt, zur Schonung der bestehenden Verjüngung aber teilweise im Bestand entastet und/oder abgelängt. Fertigentastung, Einschneiden der Sortimente und Poltern erledigte der Woody. Durch die Kombination von Seilkran und Harvester auf einem Trägerfahrzeug reduzieren sich mit dieser Maschine die Arbeits- und vor allem die Umsetzkosten gegenüber anderen Systemen.

Klaus Herzog nutzte die von ihm initiierten Bergholztage auch, um die Teilnehmer auf die Risiken falscher Tragseilspannung hinzuweisen. Nur wenige Bediener wissen, wie stark das Seil wirklich gespannt sei und welchen Kräften es während des Betriebs ausgesetzt sei, so seine Erfahrung. Selbstredend hatte Herzog auch gleich eine Lösung im Gepäck: den Seilspannungswächter cabguard 50t. Das Gerät wird einfach auf das Tragseil geschraubt und registriert ständig die tatsächlich auftretenden Kräfte. Je nach Ausführung wird der Bediener per Warnhorn oder Funksignal bei erreichen der Belastungsgrenze gewarnt und damit vor brenzligen Situationen bewahrt. Denn schließlich führt eine angepaßte Belastung nicht nur zu einer längeren Lebensdauer des Seils, sondern hilft vor allem, schwere Unfälle zu vermeiden.

Fazit

Klaus Herzog und sein Team haben mit den Bergholztagen eine spitzenmäßige Veranstaltung ins Leben gerufen. Organisation, Durchführung und nicht zuletzt die Qualität der gezeigten Technik lagen auf allerhöchstem Niveau. Klar, daß so etwas nur mit Unterstützung Dritter klappt. In vorderster Front ist dabei der Staatsforstbetrieb des Kantons Bern zu nennen, der als Waldbesitzer sämtliche Einsatzflächen zur Verfügung stellte, zudem beteiligte sich der Kanton Bern auch finanziell an den Bergholztagen. Auch handelte es sich bei vielen der gezeigten Exponate um Kundenmaschinen, die meist samt Personal für die Bergholztage bereitgestellt wurden; neben den Firmen Baumgartner, Susenburger und Woodex beteiligten sich sogar die Niedersächsischen Landesforsten mit ihrem Hangforwarder. Die beiden Herzog-Geschäftspartner Konrad Forsttechnik und Wahlers Forsttechnik halfen tatkräftig mit, die Bergholztage zu ermöglichen.

www.herzog-forsttechnik.ch
www.be.ch/sfb

Jan Biernath